Waffenhändler sind auch nur Menschen

Eine gewagte Ansage, allemal. Ergeben hat diese sich gestern am Abend. Ich hatte mich gerade mit einem Freund in einem Pub getroffen um ein gepflegtes Bier zu trinken, als wir beide Ohrenzeugen einer ziemlich angeheizten Diskussion wurden. Da diese direkt am Nebentisch stattfand war es so gut wie unmöglich nicht mithören zu müssen. Es ging darum, was mancher mit “diesem Gesindel” von Waffenschiebern machen würde wenn er denn nur könnte und dürfte.

Sich der nicht unbedingt geistreichen, weil an Sachargumenten armen Debatte, zu entziehen war entweder durch einen Tischwechsel oder der Flucht an die Bar möglich. Beides war nicht das was wir wollten und so lieferten wir uns der Diskussion einfach aus. Wir hörten angeregt mit … und begannen selbst darüber zu diskutieren. (Ich hasse Gruppendynamik, ausser ich gestalte meine eigene) Aber manchmal kann man sich ihr einfach nicht entziehen.

Nach den üblichen Vorwürfen an die internationale Politik, welche ja zu einem grossen Teil direkt damit in Verbindung zu bringen und auch selbst mitverantwortlich ist, sowie nach weiteren Überlegungen und Erkenntnissen die üblichen Verdächtigen betreffend, kamen wir jedoch nicht zu jenem endgültigen Ergebnis, das ohnehin meistens vorhersehbar ist. Mir kam plötzlich folgende Frage in den Sinn:

“Kann ein Waffenhändler ein guter Mensch sein?”

Wir versuchten Aspekte eines Themas zu beleuchten, auf die sicher selten näher eingegangen wird und somit den “Beruf” des Waffenhändlers von einer anderen Seite beleuchtet. Ich fragte ob es möglich ist auf der einen Seite als “aktives Mitglied” und Nutzniesser fixer Bestandteil einer brutalen und skrupellosen Maschinerie zu sein – im Wissen, dass diese vor nichts und niemandem halt macht und sogar Kinder damit beliefert, die keine Skrupel haben auf alles zu schiessen was sich bewegt – und im selben Augenblick daheim zu sitzen, mit seinem eigenen Kind zu spielen und ihm als liebender Vater das Bild einer heilen Welt zu vermitteln.

Ich fragte weiter ob es möglich ist sein Gourmet-Menü zu geniessen, im Wissen, dass es in genau diesem Augenblick mit dem Blut von Menschen, ob schuldigen oder unschuldigen, bezahlt wird? Denkt ein Waffenhändler jedes Mal wenn er seine Kreditkarte einsetzt daran, dass davon nicht Geld sondern ein weiteres Leben abgebucht wird? Und wenn ja, kann er trotzdem einfach nach Hause kommen und seine Frau ehrlich liebend umarmen und ihr aufrichtig vermitteln, dass er sie von Herzen liebt?

Ist es möglich, dass ein Waffenhändler überzeugter und praktizierender Christ, Moslem, Bhuddist oder was auch immer ist und gleichzeitig weiss, dass in genau dieser Minute Menschen durch die von ihm gelieferten “Produkte” Leben anderer vernichten? Ist es wirklich so einfach zu sagen, dass es ein “Beruf” wie jeder andere ist, der, wenn man ihn nicht selbst ausübt von anderen ausgeübt wird? Kann man es sich so einfach machen oder braucht man dazu schon etwas mehr als eine plausibel klingende Ausrede? Wenn ja, wie kann ein Waffenhändler etwas wie Liebe, Sehnsucht, etc. empfinden und gleichzeitig den Hass auf dieser Welt mit seinen Produkten und Diensten unterstützen und fördern?

Fragen über Fragen, noch mehr Antworten und noch viel mehr Fragezeichen beendeten schliesslich unsere Diskussion bei der wir – wie sollten wir auch – nicht wirklich zu einem endgültigen Ergebnis kommen konnten. Zweifelsohne ist der Beruf des Waffenhändlers kein “menschenfreundlicher” und – zwangsweise – mit Fakten und Ereignissen verbunden die unwiderlegbar, unvermeidbar und mit vielen Dingen unvereinbar sind. Die Entscheidung ob man diesen Beruf “erfolgreich” ausübt oder nicht (man wird ja nicht einfach Waffenhändler wie Konditor oder Schlosser) liegt sicher nicht immer einzig und allein bei der Person die ihn ausübt. Zu viele politische Faktoren spielen in diese hoch profitable Branche hinein.

Als Ergebnis mit dem wir am Ende beide leben konnten und auch können (was bleibt uns auch anderes übrig) war, dass ein Waffenhändler durchaus ein einfühlsamer, liebender, treuer und mit weiteren positiven Attributen behafteter Mensch sein kann. Ob er durch jene aber automatisch zu einem “guten” Menschen wird blieb unbeantwortet. Bild: AFP/Focus

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4 Statements Dein Statement
  1. crook sagt:

    1. Es gibt keine durch und durch gute Menschen. Selbst Mutter Theresa hatte ihre dunklen Seiten.

    2. Ich halte es an der Stelle frei nach Klaus Kinski: Man muss den Menschen vor allem nach seinen Lastern beurteilen. Tugenden können vorgetäuscht sein. Laster sind echt.

    3. So ein Mensch lebt vermutlich in der ständigen Angst, dass seine Mitmenschen seine Machenschaften aufdecken und das ist auch eine Form von Strafe…

  2. vanilleblau sagt:

    @crook: Kinksy ist immer gut. Und Laster habe ich … ich kann sie gar nicht zählen, geschweige denn erinnere ich mich an jedes einzelne :)

  3. Herr MiM sagt:

    Ich sag´s Ihnen, Controller…. DAS sind vielleicht wirklich nette Menschen.

  4. vanilleblau sagt:

    @Herr MiM: Oh, ja. Ich wollte bei Controllern selbst schon öfters persönlich zur Waffe greifen :)

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