Zensur im Staate Österreich

Wozu nach China schauen wenn es um Zensur in Reinkultur geht? Das kann man in Österreich genauso haben. Wesentlich näher, erheblich billiger und nicht minder dreist.

Da hat also ein Grüppchen namens Anonymus Daten vom österreichischen Zwangsgebühren-Eintreibungs-Institut, politisch korrekt und marketingtechnisch geschönt GIS (Gebühren-Informations-Service) bezeichnet, gehackt. Die einzige Information die dieses “Unternehmen” anbietet ist die Auskunft über die Höhe der zu zahlenden Zwangsgebühren. Genau denen hat man nun zigtausende Datensätze (inklusive Kontodaten) geklaut und einen Auszug davon mit allen Details ins Netz gestellt. Eigentlich schon was normales in Zeiten des Internets.

Was die Sache aber richtig spannend macht und zeigt wie man von diesen Unternehmen angelogen wird ist die Tatsache, dass man der Öffentlichkeit versuchte zu verkaufen, dass nicht wirklich viel passiert sei und dass es gar nicht die Möglichkeit gäbe diese Daten zu stehlen und ausserdem alles ganz sicher ganz woanders gespeichert werde und so weiter und so fort. Man ist bestens geschützt. Für alle Fälle.

Nachdem daraufhin Anonymus ein Ultimatum gesetzt und damit gedroht hatte alle geklauten Datensätze vollständig zu veröffentlichen, sollte man nicht das tatsächliche Ausmass des Diebstahls zugeben, hat man sich bei der GIS bewegt und zugegeben, dass nun doch über 200.000 Datensätze geklaut wurden. Mit allem Drum und Dran. Schon blöd wenn man vorher via Medien lautstarkt verkünden lässt, dass das ja alles gar nicht möglich ist und alle Informationen darüber falsch sind.

Was jedoch wirklich zum Nachdenken anregen sollte ist die Tatsache, wie dreist man sich über alle Richtlinien des Datenschutzgesetzes hinwegsetzt und dieses einfach ignoriert. Dürfen doch sensible Daten wie diese auf keinen Fall über Jahre hinweg gespeichert und derart ungesichert aufbewahrt werden, dass praktisch jedermann sich ihrer bemächtigen kann. Aber das Zwangsgebühren-Eintreibungs-Institut darf das. Oder macht es einfach. Das alles zeigt eigentlich nur wie unnötig dieses Gesetz ist in einem Land, das sich um die Rechte seiner Bürger genau so wenig schert wie ich mich um eine tote Ratte.

vanilleblau tagged this post with: , , Read 1472 articles by
3 Statements Dein Statement
  1. mendweg sagt:

    Naja…”Zensur” sehe ich jetzt nicht, aber völlige Missachtung der eigenen Gesetze, was für staatliche Institutionen nicht wirklich ungewöhnlich ist. Weder in Österreich, noch in deutschland und bei uns in Bayern gleich zweimal nicht ;-)
    Viel interessanter finde ich die Arbeit von Anonymus, die ja bereits beim Payback-Angriff um Wikileaks den Rücken frei zu halten aufgefallen sind. Robin Hood scheint nie zu sterben…

  2. vanilleblau sagt:

    @mendweg: Nun ja, ich kann natürlich so zensieren, dass ich gewisse “Textpassagen und Inhalte” einfach streiche oder nicht zulasse, oder ich gebe ich gleich von Beginn an falsche Informationen weiter. Was sicherlich eher bewusste und gezielte Falschinformation ist, aber irgendwie auch einer Art von Zensur gleichkommt. Rauskommen tut es aufs Gleiche: Es ist Betrug.

  3. Mendweg sagt:

    Und da sind wir jetzt einer Meinung ;-)

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