Kein Recht auf Verteidigung

Ich verstehe ja Strafverteidiger und kann den Sinn ihres Daseins auch ganz einfach nachvollziehen. Was ich aber nicht verstehe sind Strafverteidiger wie zum Beispiel jener, der gerade versucht für den norwegischen Amokläufer und Massenmörder Breivik ein “milderes” Urteil heraus zu schlagen.

Die Begründung dafür ist so fadenscheinig wie zynisch und lachhaft zugleich. Habe doch sein “Mandant” bei seinem Amoklauf, bei dem er 69 Jugendliche wahllos abgeknallt hat, keine Kinder erschossen und somit VERSCHONT! Soviel Crux muss man einmal haben. Knallt 69 Menschen ab und will Milde “weil er Kinder verschont hat”. Stellt sich nur die Frage, ab wann ein Jugendlicher kein Kind mehr ist. Ebenso war sein Mandant “geständig”. Welch ehrenhafte Leistung, nachdem man ihn sozusagen “live vor Ort” geschnappt hat. Was es da wohl noch zu gestehen gibt? Okay, aus Breiviks Sicht ist das alles ja noch nachvollziehbar. Auch dass er sich im “Krieg gegen das multikulturelle System sieht und den islamischen Einzug in Europa stoppen will” sind Argumente die man ihm, auch wenn es schwerfällt, zugestehen muss.

Wie schon eingangs gesagt, ich verstehe Strafverteidiger und das was sie tun durchaus. Im Falle Breiviks wäre ich aber für eine bestenfalls begleitende Pflichtverteidigung, die nur den korrekten Ablauf der Urteilsverkündung verfolgen, aber nicht im Sinne von “verteidigen” eingreifen dürfte. Menschen wie Breivik sollten nicht auf das bestehen und zugreifen dürfen, was sie anderen zu jenem Zeitpunkt zu dem sie ungewollt ihr Leben lassen mussten, ebenso wenig zugreifen durften. Nämlich auf das Recht der Verteidigung.

vanilleblau tagged this post with: , , Read 1472 articles by
2 Statements Dein Statement
  1. Mendweg sagt:

    Spannendes moralisch-emotionales Thema. So ähnlich hatten wir es ja auch schon hier mit dem Fall Gäfgen: http://www.mendweg.com/?p=2602

    Prinzipiell kann ich Dich verstehen, aber auch wenn mein erster Gedanke in die selbe Richtung geht, so glaube ich im zweiten Gedanken doch ganz fest daran, dass wir gegen solche Monster nur gewinnen, wenn wir nicht unseren ersten und menschlichsten Instinkten folgen. Die beste Waffe ist sie mit Menschlichkeit und uneingeschränkter Fairness und Chancengleichheit zu behandeln. Nur dann ist das Urteil am Ende makellos und frei von jeglicher Kritik und Ankläger und Opfer haben ihre Würde nicht verloren. Einzig der Verteidiger des Monsters hat seine Menschlichkeit einsperren und sich auf das handwerkliche beschränken müssen. Das die verwendete Standarddidaktik dabei manchmal zynisch wirken kann liegt am Geschick des Verteidigers. Und vielleicht bestärkt dieser vermeindliche Zynismus die Rechtsprechenden in der Deutlichkeit des Urteils…?

  2. vanilleblau sagt:

    @mendweg: Also ganz teile ich diese Meinung nicht. Irgendwo hört es sich auf mit der Menschlichkeit und der Würde. So gewinnt man nicht gegen diese Sorte Mensch, so zeigt man ihnen bestenfalls, dass sie machen können was sie wollen, sie werden trotzdem bestenes “endversorgt”.

    Irgendwann hat man jeglichen Kredit auf Menschlichkeit und “Rechte” verspielt. Am Ende ist das nur mehr Feigheit vor dem Feind. Leute wie Breivik gehören in die Zelle. 3 x täglich Futter, 2 x täglich lüften und 1 x täglich 30 Minuten Rundgang. Und das war´s dann auch schon. Solche Menschen haben keine Rechte mehr. Von Anspruch auf eine faire Behandlung ganz zu schweigen.

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