Hin und wieder schreit mein Gaumen einfach nach einem Klassiker. Beim Durchstöbern der Regale fand diesmal ein Chianti Classico 2008 von Cecchi meine Aufmerksamkeit und da ich einen guten Chianti schon eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr im Glas hatte, griff ich bei einem Preis von 9 Euro zu. Zumal der gleiche Wein in Neuseeland regulär um 29 Neuseeländische Dollar feilgeboten wird. Was in etwa 16 Euro entspricht. Der Transport ans Ende der Welt kostet halt was. Soviel zum globalen Rebsortenaustausch.
Wie auch immer. Da lag er nun und forderte mich auf ihn mit zu nehmen und ihn seiner Bestimmung zuzuführen. Gesagt, gekauft. Nicht jedoch, ohne ein wenig Angst vor diesem in der Tat als “Kultwein” bezeichneten Tropfen zu verspüren. Mein Allgemeinwissen bezüglich Chianti ist alles andere als das eines Experten, doch haftet ein relativ flächendeckendes, durchaus negatives Image an diesem an sich schönen Wein. Dass dies auch unmittelbar mit dem Einkaufs- und Trinkverhalten der Deutschen zusammenhängt mag seltsam klingen, erklärt sich aber aufgrund einer “Geiz ist geil-Gesellschaft” irgendwie von selbst.
Da ich immer gerne etwas über die Weine die ich trinke lese und generell an Informationen rund um die Welt der Trauben interessiert bin, stiess ich in diesem Fall auf einen Artikel, der meine Zweifel bezüglich Chianti entsprechend bestätigte. Eine Aussage fiel mir dabei besonders ins Auge:
Maurizio Cremonini Bianchi, seines Zeichens Direktor der Chiantigiane in Tavarnelle:
Die Deutschen schrecken nicht davor zurück, Chianti zu einem Preis zu kaufen, für dessen Zustandekommen Betrug vermutet werden muss.
Mit solchen Ansagen im Hinterkopf steigt natürlich die Spannung und man fragt sich, ob das kürzlich erworbene Produkt dieser Gattung den Gaumen schlicht beleidigen, vielleicht sogar verletzen, oder vielleicht doch entzücken und zufrieden stellen wird.
Dass das Weinhaus Cecchi, aus dessen Keller der Tropfen meiner Begierde stammte, seit Jahren keine einzige Flasche mehr nach Deutschland liefert, weil laut Aussage von Cesare Cecchi “die Deutschen ausser dem Preis nichts zu diesem Produkt hören wollen”, sorgte somit doch für eine gewisse Beruhigung bei mir.
Wenn jemand sich weigert bei Preisen jeden Irrsinn mitzumachen, dann sollte das doch für eine gewisse Seriosität stehen. Und mit diesem guten Gefühl öffnete ich dann meine Flasche, liess dem Inhalt ein wenig Luft zum Atmen und hatte einen Abend mit einem äusserst zufrieden stellenden Geschmackserlebnis.
Womit sich am Ende wieder folgendes bewahrheitet: Ein guter Wein muss nicht immer extrem teuer sein. Man kann auch vernünftig dafür sorgen, dass Genuss nicht unbezahlbar ist. Es ist aber immer teuer, sich mit Billigfusel einzudecken. Sei es, dass das Zeug ganz einfach nicht zu trinken ist, oder dass man am nächsten Tag nicht weiss was gestern war und man ein Dröhnen in der Haube hat, dass einem Presslufthammer gleichkommt.








Und was gab es zwischen die Zähne? Klassisch Pasta oder Carne?
@MiH: Weder noch. Nur sizilianischen Käse, gemischte Oliven und Baguette. Spartanisch, aber sehr genüsslich.
Vom diesem Chianti habe ich heute übrigens noch 2 Kisten gekauft. Eine zum jetzt geniessen und eine für nächstes bzw. übernächstes Jahr. Ich denke der hat ausreichend Potential.
Bei uns Deutschen darf der Preis für einen Liter italienischen Rotwein niemals den Preis für einen Liter Superbenzin übersteigen. Hat sich das noch nicht herumgesrpochen? Nein??
Wundert mich!
@Cassy: Schlimm, echt schlimm, kann ich dazu nur sagen. Geht eigentlich nur mehr Wein aus dem Tetra-Pack drüber.