Moderne Bücherverbrennung

Dass Regierungen auf der ganzen Welt ihre Bürger belügen, betrügen, unterjochen, foltern und sogar töten lassen, ist kein Geheimnis. Ein hoffnungsloser und nicht zu rettender Träumer jeder, der diese Tatsachen nicht wahr haben will oder sie auch leugnet. Dass jene, die Mißstände, Ungerechtigkeiten und sonstige dunkle Machenschaften aufdecken nicht immer als Sieger und noch seltener als Lebende aus solchen “Spielen” vom Platz gehen, ist auch keine wirkliche Überraschung.

Was aber jetzt aufgrund von Wikileaks passiert, erreicht eine völlig neue Dimension. Wenngleich diese nicht wirklich neu ist. Ist es doch nur die moderne Form von Hexenverfolgung und Bücherverbrennung. Staatlich angeordnet und von den Prätorianern die heute bereits mächtiger sind als ihre Herren, ohne Rücksicht auf Verluste durchgeführt.

Wenn Amazon, Postfinance, Mastercard, Visa, Paypal, Twitter und wie sie alle heissen mögen, einfach Konten und Accounts sperren, dann stellt sich unweigerlich die Frage, wo soviel staatlich angeordneter Eingriff enden mag. Egal wie man speziell zu diesem aktuellen Fall stehen mag.

Abgesehen von den gesellschaftlichen Auswirkungen und einem Abdriften in Staatsformen, welche wir offiziell ganz vehement bekämpfen, ist die Frage relativ einfach zu beantworten: Das Internet in dieser Form hat ausgedient. In spätestens 5-7 Jahren, vielleicht auch schon früher, wird jeder zwingend seine realen Nutzerdaten staatlich eingerichteten “Schutzorganisation” zur Überprüfung und jeglicher Verwertung zur Verfügung stellen müssen. Um Missbrauch, Betrug, Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Preisgabe von Staatsgeheimnissen und sonstigen vertraulichen Informationen, Terrorismus, etc. zu verhindern und was sonst noch alles erfunden werden muss um diesen Schritt zu rechtfertigen. Aber es wird so kommen.

Wird heute bei jedem Einstieg ins Netz zwar eine gültige IP-Adresse aufgezeichnet, wird man sich in Zukunft vor jeder Session mit seinem Namen registrieren müssen um sich einzuloggen und Zugang zum Internet zu erhalten. Was jedem aufrechten Bürger “im Fall des Falles” ein lückenloses Alibi verschafft und ihn so von der Liste möglicher “Verdächtiger” ausschliesst. Alle weiterführenden Gedanken dazu kann sich jeder selbst machen und dieses Szenario zu Ende spinnen.

Vielleicht klingt es etwas verschwörerisch, düster, unwahrscheinlich, usw. Vielleicht wird es auch von all jenen die immer meinen “sie haben doch sowieso nichts zu verbergen” sogar für gut geheissen. Was auch immer. Nur diesmal werden wir alle live dabei sein und die Geschichte wird uns als Cyber-Terroristen, Byte-Warriors und Chip-Söldner in Erinnerung behalten. Wir derden genau die sein, vor denen wir uns heute fürchten.

PS: Um auf Wikileaks zurück zu kommen; die Seiten von oben erwähnten Prätorianern wurden nicht gehackt – wie von den meisten “Qualitätsmedien” freudig verkündet – sie wurden geflooded. Und das ist immerhin ein kleiner, aber nicht unwesentlicher Unterschied. Aber was macht das schon. Es ist sowieso egal.

vanilleblau tagged this post with: , , Read 1472 articles by
2 Statements Dein Statement
  1. Paramantus sagt:

    Amazon sollte man da ausklammern. Die Firma lässt sich nämlich nicht wirklich reinreden und zieht ihr einziges Ziel rigotos durch: geld verdienen. Und trotzdem – oder in diesem Fall gerade deswegen – ist mir Amazon sympathisch, denn die ganzen Wikileaks-Enthüllungen kann man inzwischen beim Onlineversand als E-Book kaufen ;)

  2. vanilleblau sagt:

    @Paramantus: Würde ich trotzdem mit Vorsicht geniessen, weil auch amazon mit unendlich viel Geld von “regierungsnahen” Investoren ausgestattet ist und deshalb alles andere als “unabahängig” ist.

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